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30.06.2017
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Studie von UKS-Medizinern bei weltweit größtem Krebskongress ausgezeichnet: Fortschritte in der Behandlung aggressiver Lymphome

Bei dem weltweit größten Krebskongress, einer Fachveranstaltung der American Society of Clinical Oncology (ASCO), Anfang Juni in Chicago fand ein Beitrag der Deutschen Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL), die von Medizinern des Universitätsklinikums des Saarlandes UKS in Homburg geleitet wird, großen Anklang: Die Vorstellung der Ergebnisse der OPTIMAL>60-Studie wurde von der Fachwelt als „Best of ASCO“, also einer der besten Vorträge des Kongresses, ausgezeichnet. Vereinfacht erklärt, untersucht diese Studie, wann Patienten mit einer aggressiv wachsenden bösartigen Lymphknotenerkrankung, den diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL), von einer Bestrahlung profitieren.

 

Die diffusen großzelligen B-Zell-Lymphome (DLBCL), eine aggressiv wachsende bösartige Lymphknotenerkrankung, sind die häufigsten Lymphome überhaupt. Dank der Einführung des monoklonalen CD20-Antikörpers Rituximab konnten die Therapieergebnisse bei dieser Lymphomart in letzter Zeit so verbessert werden, dass heute weniger als die Hälfte der Patienten mit DLBCL an ihrem Tumor versterben, als dies noch vor 15 Jahren der Fall war. Weltweite Standardtherapie beim DLBCL ist die Kombination aus einer Immuntherapie mit Rituximab und einer Chemotherapie mit dem sog. CHOP-Schema. Obwohl weltweit viele Arbeitsgruppen seit Einführung von Rituximab keine Strahlentherapie mehr geben, konnte die Deutsche Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNL), die ihre Zentrale am UKS in Homburg hat, zeigen, dass das Weglassen der zusätzlichen Strahlentherapie bei Patienten mit großen Tumormassen (sog. „Bulky Disease“ oder Bulk, definiert als Tumormasse >7.5 cm) zu deutlich niedrigeren Heilungsraten führt. „Da die zusätzliche Strahlentherapie Nebenwirkungen hat, haben wir es uns in der neuen OPTIMAL>60-Studie zum Ziel gemacht, die Patienten mit Bulk zu identifizieren, die doch keine Strahlentherapie benötigen. Wir stellten die Hypothese auf, dass bei „Bulky Disease“, das nach der Immunochemotherapie nicht mehr vital ist, keine Strahlentherapie benötigt wird“, erläutert Professor Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des UKS in Homburg. Dass ein Bulk kein „vitales“ Lymphomgewebe mehr enthält, lässt sich mit der Positronen-Emissionstomographie (PET) feststellen.

In der OPTIMAL>60-Studie erhalten die Patienten nach 6xRCHOP, also der Immunochemotherapie, eine PET-Untersuchung, und nur noch Patienten mit einem „PET-positiven“ Bulk werden bestrahlt. Die geplante Zwischenanalyse mit den ersten 187 Bulk-Patienten der OPTIMAL>60-Studie zeigte nun, dass auf diese Weise 42% weniger Patienten eine Strahlentherapie erhalten. Wichtiger noch ist die Tatsache, dass das PET-basierte Weglassen der Strahlentherapie nicht zu einer Verschlechterung der Heilungsrate führt. Im Gegenteil, die Ergebnisse der Bulk-Patienten in der OPTIMAL>60-Studie waren im Vergleich zu ihrem Vorgänger, der RICOVER-60 Studie, wo alle Bulks bestrahlt worden waren, sogar mit einer starken Tendenz besser.

„Andererseits profitieren die Patienten, die aufgrund des PET-Befundes noch eine Strahlentherapie benötigen, deutlich von der Bestrahlung und weisen durch die Radiotherapie, trotz Restbefund, gleich gute Heilungsraten auf, wie die Patienten ohne Restbefund“, erklärt Professor Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des UKS in Homburg.

„Ich gratuliere unseren Homburger Forschern für ihre wertvolle und international sichtbare Arbeit zur optimalen Behandlung aggressiver Lymphome“, dankt Professor Bernhard Schick der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKS.

Die Vorstellung der Ergebnisse der OPTIMAL>60-Studie auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Anfang Juni in Chicago fand weltweite Beachtung und wurde zu den „Best of ASCO“ gewählt.

Diese neue Therapiestrategie erhalten bis auf Weiteres nur Patienten, die sich im Rahmen der OPTIMAL>60-Studie der DSHNHL behandeln lassen, da die PET-Untersuchung von den Kostenträgern in Deutschland außerhalb dieser Studie nicht erstattet wird. Die Entscheidung über eine Kostenerstattung außerhalb der Studie wird voraussichtlich erst nach Abschluss und Publikation der OPTIMAL>60-Studie im Jahr 2020 erfolgen.

 

Kontakt für Journalisten

Univ.-Prof. Dr. Michael Pfreundschuh

Klinik für Innere Medizin I - Onkologie, Hämatologie,

Klinische Immunologie und Rheumatologie

Universitätsklinikum des Saarlandes und

Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes

Tel. 0 68 41 / 16 - 1 50 10

www.uks.eu/onkologie

 

Univ.-Prof. Dr. Christian Rübe

Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie

Universitätsklinikum des Saarlandes und

Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes

Tel. 0 68 41 / 16 - 2 46 06

www.uks.eu/strahlentherapie

 

Hintergrundinformationen zur Klinik Innere Medizin I:

Schwerpunkt der Klinik für Innere Medizin I sind die Diagnostik und Therapie von Tumor- und Blut- sowie immunologischen und rheumatologischen Erkrankungen. Speziell ausgestattete Stationen (z. B. Infektions- und Transplantationsstation) und Ambulanzen (z. B. für ambulante Chemotherapie) bieten hierfür die Voraussetzungen. Langjährige Erfahrungen der Ärzte und Pflegekräfte mit Knochenmark- und Stammzelltransplantationen weisen die Klinik als die Expertin für Chemotherapie an diesem Klinikum aus. Durch institutionalisierte Kooperationen mit weltweit führenden Zentren auf dem Gebiet der Krebsforschung (Einzige deutsche Universitätsklinik mit einer offiziellen Affiliation mit dem Ludwig Institute for Cancer Research) und das der Klinik angegliederte Jose-Carreras-Zentrum für Immun- und Gentherapie profitieren die Patienten unmittelbar von den neuesten Entwicklungen für jede Tumorart. Durch die Leitung von und Teilnahme an großen internationalen Studien werden dem neuesten internationalen Standard entsprechende Immun- und Chemotherapien angeboten; gleichzeitig wird dadurch ein höchstes Maß an Qualitätskontrolle dieser Therapien gesichert. Als weltweit anerkannte Institution auf dem Gebiet der Erforschung des Immunsystems erhalten Tumorpatienten und auch Patienten mit immunologischen und rheumatologischen Erkrankungen den neuesten Standard an Diagnostik und Therapie.

 

Hintergrundinformationen zur Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie:

Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie ist spezialisiert auf die primäre Radiotherapie und die kombinierten Radiochemotherapieverfahren von bösartigen Tumoren. Mit modernsten Techniken und Therapieverfahren werden bösartige Tumorerkrankungen entweder mit alleiniger Strahlentherapie, mit Radiochemotherapie oder in interdisziplinärer Abstimmung mit den chirurgischen und internistischen Fächern prä- bzw. postoperativ behandelt.

Daneben werden gutartige Erkrankungen z. B. entzündlicher Natur therapiert. Ein hochspezialisiertes Team gewährleistet die rasche und zuverlässige Umsetzung sämtlicher moderner Strahlentherapiemethoden.

Die Einbindung aller Patienten in die interdisziplinären Tumorkonferenzen mit anderen onkologisch tätigen Kliniken und Instituten des Universitätsklinikums garantiert eine optimale interdisziplinäre Abstimmung der Therapiekonzepte auf neuestem universitärem Niveau. Der Großteil der Patienten wird ambulant behandelt, zur stationären Betreuung steht eine Station mit insgesamt 24 Betten im 7. Obergeschoss des Gebäudes 6 zur Verfügung.